Eine Küche ohne Fliesenspiegel – und ohne Dunstabzug an der Wand
Modernisierung im Bestand, Kreis Höxter. Derselbe Grundriss, dieselben Anschlüsse – und eine Entscheidung am Kochfeld, aus der sich alles andere ergab.
Sechs Monate zwischen zwei Aufnahmen
Dieselbe Wand, dasselbe Fenster, derselbe Standort. Was sich verändert hat, ist nicht in erster Linie die Farbe.
Die Ausgangslage
Die bestehende Küche war in die Jahre gekommen: Buchendekor, Fliesenspiegel, eine großformatige Schräghaube direkt neben dem Fenster. Der Grundriss selbst sollte bleiben, die vorhandenen Anschlüsse für Wasser, Abfluss und Elektrik wurden weiterverwendet. Die Zeilenführung stand damit im Wesentlichen fest, bevor der erste Schrank geplant war.
Interessant wurde dieses Projekt an einer anderen Stelle.
Der Wunsch: der Abzug soll ins Kochfeld
Die Bauherren wollten keinen Dunstabzug mehr an der Wand. Ein Kochfeld mit integriertem Abzug war von Anfang an gesetzt.
Damit stellte sich sofort die Frage nach der Betriebsart. Eine Abluftführung hätte an dieser Stelle einen neuen Wanddurchbruch bedeutet – ein Eingriff in die Bausubstanz, den die Bauherren für dieses Projekt nicht wollten. Wir haben uns deshalb für eine geführte Umluft entschieden: Die Luft wird nicht in den Schrank abgegeben, sondern durch einen Kanal geführt und über den Sockel wieder in den Raum entlassen – unterhalb der Arbeitsebene, weit weg vom Kochfeld. Der Sockel ist mit 100 Millimetern hoch genug, um die Führung aufzunehmen, ohne dass davon etwas sichtbar bleibt.
Verbaut ist ein Siemens Kochfeld mit integriertem Dunstabzug. Kochfeld, Backofen, Mikrowelle und Geschirrspüler kamen in diesem Projekt von mir – und das war hier keine Nebensache. Ein Muldenlüfter beansprucht Volumen im Unterschrank, braucht eine Führung und einen exakt abgestimmten Arbeitsplattenausschnitt. Kochfeld, Möbelbau und Arbeitsplatte werden dabei zu einer einzigen Konstruktion. Wird das Gerät getrennt von der Planung beschafft, zeigt sich die Lücke erst bei der Montage.
Was dadurch möglich wurde
Ohne Haube war die Wand über der Arbeitszeile frei. Erst das machte die nächste Entscheidung der Bauherren überhaupt umsetzbar: Sie wollten keinen Fliesenspiegel mehr – und zwar nirgends. Sämtliche sichtbaren Wandflächen im Küchenbereich wurden mit Nischenrückwänden ausgeführt.
Zwischen Arbeitsplatte und Hängeschränken – dort, wo Fett und Wasser hinkommen – eine Rückwand aus Grauglas, hinterlegt mit Beleuchtung. Auf den übrigen sichtbaren Wandflächen ein Steindekor, das die vorhandenen Steinriemchen an den Türbögen aufnimmt, statt gegen sie zu arbeiten. Beides von Ballerina, aus dem Programm der Küche selbst, die Beleuchtung im selben Zug eingebaut.
Das Ergebnis ist ein Spritzbereich ohne Fugen. Keine Silikonnaht, die nachdunkelt, keine Fliesenkante, an der sich Fett sammelt. Eine durchgehende Glasfläche, die sich in einem Zug abwischen lässt.
Warum es zwei Montagetermine wurden
Glas verzeiht keinen Millimeter. Es lässt sich weder kürzen noch nacharbeiten, wenn eine Nische zwei Millimeter enger ausfällt als geplant. Genau deshalb kann eine Glasrückwand nicht nach Planungsmaß gefertigt werden, sondern erst nach Aufmaß am fertig montierten Möbel.
Der Ablauf war also: Küche montieren, die Glasflächen am gebauten Objekt aufmessen, fertigen lassen, zweiter Termin für die Montage.
Für die Bauherren bedeutete das einen zusätzlichen Termin. Es bedeutete aber auch, dass jede Fläche exakt in ihre Nische passt – und dass sie beide Termine mit einem einzigen Ansprechpartner koordiniert haben, nicht mit zwei Gewerken, die aufeinander warten. Die Rückwände kamen von Ballerina und wurden von uns montiert.
Der Kontrast
Die Fronten sind in Smartglas Hochglanz Schneeweiß ausgeführt, mit einer waagerecht mittig geführten Griffleiste in Edelstahloptik. Dagegen gesetzt – ebenfalls auf Wunsch der Bauherren – die Oberschränke mit schwarzen Glastüren in schwarzem Rahmen, die Sichtseiten ebenfalls in Schwarz und eine Wange im Sondermaß von 25 Millimetern, die auf 2,43 Metern Höhe die Hochschrankwand seitlich abschließt – im selben Dekor wie die Arbeitsplatte.
So ordnet sich der Raum in drei Ebenen: helle Fronten unten, freie Fläche in der Mitte, dunkle Akzente oben.
Ausstattung
| Möbel | Ballerina, Serie 02 XL, Programm SMART |
|---|---|
| Fronten | Smartglas Hochglanz Schneeweiß, Polymer |
| Glastüren | Designfront, Rahmen schwarz mit Schwarzglas |
| Griffe | Griffleiste Edelstahloptik, waagerecht mittig |
| Korpus | außen edelstahlfarbig, Sichtseiten schwarz |
| Auszüge | LEGRABOX-ART, free ART |
| Jalousieschrank | Smartglas Schneeweiß |
| Sockel | 100 mm, nimmt die Umluftführung auf |
| Arbeitsplatte | Schichtstoff 38 mm, Doppelrundkante, Beton-Optik Graphit |
| Wange | Sondermaß 25 mm, 597 × 2.430 mm, Beton-Optik Graphit |
| Nischenrückwand Spritzbereich | Ballerina Grauglas, Dekor 990, hinterleuchtet |
| Nischenrückwand übrige Flächen | Ballerina, Steindekor |
| Spüle | Schock Mono D-150, aufliegend |
| Armatur | bauseits |
| Kochfeld | Siemens ED851FQ15E, Induktion mit integriertem Dunstabzug |
| Backofen | Siemens iQ700 HB978GMB1 |
| Mikrowelle | Siemens BF525LMS0 |
| Geschirrspüler | Siemens SX63HX52BE |
| Kühlschrank | freistehend, bauseits vorhanden – kein Einbaugerät |
| Lüftungstechnik | Kochfeldabzug, geführte Umluft über den Sockel |
Ähnliche Aufgabe in Ihrem Raum?
Jedes dieser Projekte begann mit einem Telefonat und einem Termin vor Ort. Wenn Sie eine Küche planen, schauen wir uns zuerst Ihren Raum an – kostenlos und unverbindlich.
Planung, Aufmaß, Materialauswahl, Bestellung und Montage laufen über einen Ansprechpartner. Sie müssen nichts koordinieren.